Ode an den Freitagskick

„Was wir heute wieder erlebt haben, treibt mir Tränen in die Augen" so würde Oli spontan nach dem Kick wahrscheinlich gegenüber einem Reporter geantwortet haben, wäre er gefragt worden.
"Was ein Spiel" ist das Erste, was ich denke, als die Schlusssirene (welcher Kirchturm es auch immer ist, der da immer so gut zu hören ist) an mein Ohr dringt. Ich klatsche meine Jungs ab, jeder hat in in den letzten gut 75 Minuten alles Verfügbare gegeben. In ihren Augen steht mein Gedanke: Spaß hat es gemacht! Leere macht sich kaum breit, genau dort, wo vor einigen Minuten noch unbedingter Siegeswille und -glaube war. Denn ein Unentschieden kann auch nachweislich lauter Sieger haben.
Doch schöner als meine Worte hat es nur Joachim Ringelnatz zu Papier gebracht:
 
Fußball
(nebst Abart und Ausartung)
Der Fußballwahn ist eine Krank-
Heit, aber selten, Gott sei Dank.
Ich kenne wen, der litt akut
An Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
In Kugelform und ähnlich fand,
So trat er zu und stieß mit Kraft
Ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
Ein Käse, Globus oder Igel,
Ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
Ein Kegelball, ein Kissen war,
Und wem der Gegenstand gehörte,
Das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
Bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
Stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
Der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
Nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
Noch Puffer außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8.
Und übte weiter frisch, fromm, frei
Mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
Gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
Der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
Was er jedoch als Mann von Stand
Aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
Dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
Kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
Durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
An blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
Ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
Griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Bootsmine
Besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
Sich ein in einem Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
Verschollen. Hat sich selbst verpufft. –
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
Vor dem Gebrauch des Fußballwahns!
Euer Oli(C)

 

Grün Blau 
Raini

Christian

Horst Juri 
Ulinho

Niki

Olic Sir T
Oli Jürgen
Moritz Tim
Jirschi Markus

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Kommentare: 4
  • #1

    Sir T (Montag, 03 September 2018 12:02)

    Daumen hoch dem Schreiberling.

  • #2

    Oli (Montag, 03 September 2018 13:27)

    Wunderbar!
    War ein super Kick. Soviel Spaß hat's mir schon lange nicht mehr gemacht.
    Super entspannt und dennoch kämpferisch und schnell! Chapeau an Raini und Horst im Tor! Raini mit mindestens 4 superstarke Safes gegen allein anstürmende Juris, Christians, Tims....

  • #3

    Horst (Dienstag, 04 September 2018 09:35)

    Toller Beitrag und herrlich ergänzt mit Ringelnatz! Wir haben soviele wunderbare Redakteure! Besonders schön war, dass wir alle offensichtlich das gleiche Gefühl hatten:
    Es war super schön!

  • #4

    Ulinho (Mittwoch, 05 September 2018 09:46)

    Schließe mich den Vorschreibern an.
    Und der Spielbericht hätte auch eine eigene Ode verdient.... super!