Manchmal gibt es Fußballabende, bei denen das eigentliche Spiel fast zur Nebensache wird. Nicht, weil auf dem Platz nichts passiert wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil sich am Ende alles um einen Mann drehte, der an diesem Abend eindrucksvoll bewies, dass eine Zahl im Personalausweis noch lange nichts über den Fußballschuh aussagt. Doch dazu später.

Bei bestem Sommerwetter trafen sich die Grünen Elefanten in nahezu gewohnter Besetzung. Fast gewohnter Besetzung. Denn während alle anderen pünktlich ihre Fußballschuhe schnürten, blieb einer seiner liebgewonnenen Tradition treu: Martin erschien – selbstverständlich – mit leichter Verspätung. Man hätte sich eher Sorgen gemacht, wenn er einmal vor dem Anpfiff dagewesen wäre. Manche Dinge geben eben Halt im Leben.

Die Teams waren schnell eingeteilt. Für Grün liefen Oli, Thopro, Raini, Marc und Geburtstagskind Horst auf. Die bunte Truppe schickte Max, Tim, dessen Neffen Johann, Ingo, Hans-Peter und – nach seinem obligatorischen Warm-up auf dem Parkplatz – schließlich auch Martin aufs Feld.

Zunächst sah alles nach einem erfolgreichen Abend für die Grünen aus. Mit viel Einsatz, klugen Kombinationen und dem nötigen Quäntchen Glück erspielten sie sich eine Führung. Der Ball lief ordentlich durch die Reihen, Horst zeigte mit seinen 77 Jahren mehr Laufbereitschaft als so mancher deutlich jüngere Mitspieler, und auch defensiv wurde beherzt gearbeitet. Die Bunten wirkten in dieser Phase etwas ideenlos und fanden kaum ein Mittel gegen die kompakt stehenden Grünen.

Dann kam sie.

Die Trinkpause.

In vielen Sportarten dient sie lediglich der Flüssigkeitsaufnahme. Bei den Grünen Elefanten hingegen entwickelt sie bisweilen magische Kräfte. Während Grün offenbar einen Schluck Limonade zu viel erwischt hatte, schien bei Bunt etwas deutlich Leistungsfördernderes in den Bechern gewesen zu sein. Anders lässt sich kaum erklären, was anschließend geschah.

Vielleicht lag es aber auch an Max.

Bis dahin noch zwischen den Pfosten beschäftigt, beschloss er kurzerhand, den Manuel Neuer der AH zu geben und rückte als Libero in den Spielaufbau. Plötzlich wurden Bälle verteilt, Räume erkannt und Mitspieler eingesetzt, als hätte er den gesamten Abend heimlich ein Taktikseminar besucht. Die zuvor etwas statische Offensive der Bunten bekam Tempo, Struktur und überraschend viel Zielstrebigkeit.

Langsam, aber unaufhaltsam kippte die Partie.

Grün kämpfte aufopferungsvoll gegen den drohenden Kontrollverlust. Raini warf sich in jeden Ball, Oli und Thopro versuchten immer wieder, Ordnung ins Spiel zu bringen, Marc suchte die Lücken, und Horst ließ sich ohnehin nicht anmerken, dass zwischen ihm und einigen Mitspielern mehrere Jahrzehnte liegen. Doch Unterzahl kostet Kraft. Und irgendwann kostet sie eben auch Tore.

Die Bunten nutzten ihre numerische Überlegenheit zunehmend konsequent aus und zogen Tor um Tor davon. Was zunächst nach einem offenen Schlagabtausch aussah, entwickelte sich am Ende zu einer verdienten 15:11-Erfolgsgeschichte für die bunte Mannschaft.

Doch seien wir ehrlich: Das Ergebnis interessierte bereits wenige Minuten nach dem Abpfiff kaum noch jemanden.

Denn nun begann die eigentliche Königsdisziplin des Abends: die dritte Halbzeit.

Jubilar Horst hatte anlässlich seines 77. Geburtstags zum Wurstsalat eingeladen und bewies damit einmal mehr, dass man sich Tore zwar verdienen muss, ein gutes Vesper aber auch schenken lassen darf. Dazu gab es das obligatorische Bierle, reichlich Gesprächsstoff und jede Menge gute Laune.

Nach und nach füllte sich der Platz auch abseits des Spielfelds. Zaungast Matze ließ sich blicken, wenig später schaute sogar El Presidente höchstpersönlich vorbei – ein Ereignis, das mindestens genauso selten ist wie ein pünktlich eintreffender Martin. Gemeinsam wurde gefachsimpelt, gelacht und vermutlich auch die eine oder andere Szene des Spiels aus unterschiedlichen Blickwinkeln bewertet. Wie immer lag die Wahrheit irgendwo zwischen “klar drin” und “war doch niemals ein Tor”.

Während der Schweiß langsam trocknete und die ersten Bierflaschen geleert wurden, verabschiedete sich recht schnell auch der Schreiber dieser Zeilen in die – wie ich finde – wohlverdienten Sommerferien. Vier Wochen lang müssen die Grünen Elefanten nun ohne ihn auskommen.

Ob in dieser Zeit Martin einmal pünktlich erscheint, Max dauerhaft zum Libero umgeschult wird oder es nach dem Wurstsalat bald eine neue kulinarische Köstlichkeit neben dem Platz geben wird, wird die Zukunft zeigen.

Bis dahin gilt: Schöne Ferien – und bleibt gesund. Die nächste Geschichte schreibt sich schließlich nicht von allein.

Marc (nach Diktat verreist)

Grün Blau
Thopro Tim
Marc Johann
Raini Ingo
Horst Max
Oli HaPe
Martin