Freitag, nach den Sommerferien. Endlich! Die Urlaubszeit ist vorbei, die Schulen haben wieder geöffnet und die Hoffnung war groß, dass die Herde der Grünen Elefanten wieder in voller Mannschaftsstärke auf dem heimischen Sportgelände auflaufen würde.
Entsprechend motiviert machte sich auch der Schreiberling auf den Weg. Noch leicht gezeichnet von einem süffigen Oktoberfestabend, wurde unter Ausnutzung der Grenzen der StVO das Auto von München gehend Sportplatz bewegt. Schließlich wollte man den sportlichen Neustart nach den Ferien keinesfalls verpassen.
Was dann folgte, war allerdings weniger ein Fußballnachmittag als vielmehr eine Mischung aus Vermisstensuche, Generationenkonflikt und einer eindrucksvollen Demonstration elefantöser Lebenserfahrung.
16:32 Uhr – Einsam unter Elefanten
Ankunft am Sportgelände. Der Schreiberling blickt erwartungsvoll über den Platz. Doch statt einer hochmotivierten Elefantenherde: gähnende Leere!
Zumindest fast. In einer Ecke des Geländes hat sich eine Horde junger Elefanten versammelt, die mehr oder weniger motiviert gegen einen Fußball tritt. Während einige durchaus den Eindruck erwecken, den Sport ernst zu nehmen, scheinen andere bereits mit der Frage beschäftigt, wann man endlich wieder nach Hause darf.
Von der etablierten Herde fehlt hingegen jede Spur.
16:33 Uhr – Verstärkung naht!
Matthias „Matze“ Wolpert trifft ein. Auch er blickt ratlos auf das weitläufige Gelände. Zwei Elefanten. Kein Ball. Ein Fußballplatz. Das Verhältnis stimmt noch nicht ganz.
16:35 Uhr – Die Ursachenforschung beginnt.
Markus „Spitzfuß“ erscheint auf der Bildfläche. Die Herde wächst auf stolze drei Exemplare an. Die Freude ist groß, die Verwunderung allerdings ebenso.
Wo steckt der Rest? Nach kurzer, wissenschaftlich selbstverständlich nicht belegter Analyse kommt man zu einer plausiblen Erklärung: Während die Elefanten mit Nachwuchs endlich wieder im Schulalltag angekommen sind, nutzen offenbar sämtliche kinderlosen Dickhäuter die nun beginnende Low Season, um ihre Rüssel zu vergünstigten Konditionen in die mallorquinische Sonne zu hängen.
Anders lässt sich dieses kollektive Fernbleiben kaum erklären.
16:36 Uhr – Sören bringt die Bälle!
Ein weiterer Elefant trifft ein. Immerhin hat Sören das entscheidende Arbeitsgerät dabei. Vier Elefanten stehen nun auf dem Platz und beraten sich über die sportlichen Möglichkeiten.
Zwei gegen zwei? Auf dem Großfeld? Vielleicht mit Sauerstoffflaschen an den Seitenlinien?
Eher unwahrscheinlich.
16:37 Uhr – Pedro rettet die Hoffnung.
Mit Pedros Eintreffen wächst die Herde auf fünf Elefanten an. Langsam keimt der Gedanke auf, dass aus diesem Nachmittag vielleicht doch noch ein Fußballspiel werden könnte.
16:38 Uhr – Die Alten fordern die Jungen heraus!
Die Entscheidung fällt: Wenn die eigene Herde schon nicht vollständig erscheint, muss eben der Nachwuchs herhalten!
Also wird die junge Elefantenbande auf der anderen Platzseite angesprochen, ob sie sich zu einem gemeinsamen Spiel überreden lässt.
Die erste Reaktion ist ernüchternd:
„Wir sind platt. Wir brauchen erst mal zehn Minuten Pause!“
Platt? Die jungen Elefanten? Die teilweise gut 20 Jahre jünger sind als ihre Herausforderer?
Ungläubige Blicke machen die Runde.
Was ist nur aus der Jugend geworden? Früher hätte man nach zwei Stunden Fußball noch einen Marathon drangehängt, heute braucht man offenbar bereits nach dem Aufwärmen eine Regenerationsphase.
Mit einigen gezielten Motivationssprüchen, dezenten Provokationen und dem Hinweis auf den erheblichen Altersunterschied gelingt es schließlich, die Jungtiere aus ihrer Komfortzone zu locken.
Das Duell steht fest: Alt gegen Jung. Erfahrung gegen jugendlichen Übermut. Rüssel gegen Rüssel.
Allerdings besteht zunächst ein zahlenmäßiges Ungleichgewicht. Kurzerhand wird daher ein junger Nachwuchselefant zur etablierten Herde abkommandiert. Eine Ehre, deren historische Bedeutung ihm zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch gar nicht bewusst ist.
16:45 Uhr – Kurz vor Anpfiff – Matze hisst die weiße Fahne!
Noch bevor der erste Ball rollt, trifft Matthias „Matze“ Wolpert eine folgenschwere, aber durchaus weise Entscheidung.
Angesichts der zu erwartenden Ungestümtheit der jungen Elefanten, ihrer unkontrollierten Bewegungsabläufe und der damit verbundenen Gefahren für sein frisch operiertes Knie beschließt Matze, die weiße Fahne zu hissen.
Statt sich dem wilden Treiben auszusetzen, widmet er sich lieber dem kontrollierten Kardiosport auf dem Fahrrad.
Noch vor dem Anpfiff schwingt sich Matze auf seinen Drahtesel und radelt davon. Die Herde nimmt dies mit Verständnis zur Kenntnis – schließlich möchte man den guten Mann auch in Zukunft noch auf zwei funktionsfähigen Beinen erleben.
16:47 Uhr – Martin erscheint. Natürlich pünktlich!
Mit der für ihn charakteristischen Präzision erscheint um 16:47 Uhr schließlich auch Martin auf dem Sportgelände.
Man hatte selbstverständlich mit nichts anderem gerechnet.
Kurz nach dem Anpfiff reiht er sich in die alte Elefantenherde ein, sodass der ausgeliehene Nachwuchselefant wieder zu seiner ursprünglichen Jungtiergruppe zurückgeschickt werden kann.
Die Fronten sind nun endgültig geklärt.
16:55 Uhr – Das erste Tor fällt!
Der Ball rollt, das erste Tor fällt und zunächst entwickelt sich tatsächlich ein erstaunlich ausgeglichenes Spiel.
Die jungen Elefanten versuchen es mit Schnelligkeit, Dynamik und wildem Herumgerenne. Die alte Herde hingegen setzt auf das, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet: Erfahrung, Übersicht, taktische Disziplin und die Fähigkeit, unnötige Laufwege konsequent zu vermeiden.
Denn eines weiß jeder erfahrene Elefant: Wer die Jungen lange genug laufen lässt, muss irgendwann selbst gar nicht mehr so viel laufen.
Und genau dieser taktische Geniestreich beginnt nach und nach Früchte zu tragen.
Während der Nachwuchs zunehmend auf dem Zahnfleisch geht, läuft die alte Herde zur Höchstform auf. Pässe finden ihre Abnehmer, Tore fallen und die Jungtiere müssen schmerzhaft feststellen, dass ein niedrigeres Geburtsjahr nicht automatisch zu einem höheren fußballerischen Leistungsvermögen führt.
17:30 Uhr – Eine Lehr“stunde“ in Sachen Fußball!
Die Anzeigetafel, sofern denn eine existiert hätte, würde inzwischen ein deutliches 10:4 für die alten Elefanten ausweisen.
Die jungen Wilden sind sichtbar gezeichnet. Die Beine werden schwerer, die Laufwege kürzer und der anfängliche Übermut weicht zunehmender Ernüchterung.
Die alte Herde zeigt sich großzügig. Schließlich möchte man dem Nachwuchs nicht die letzten verbliebenen Motivationskörnchen nehmen. Man lässt die Zügel daher etwas lockerer und gewährt den Jungtieren gelegentlich auch die Möglichkeit, selbst am Spielgeschehen teilzunehmen.
Gemeinsam beschließt man, den offiziellen Spielbetrieb um 17:30 Uhr zu beenden.
17:35 Uhr – Müde? Wir doch nicht!
Während die jungen Elefanten vermutlich bereits über Eisbäder, Eiweißshakes und mehrtägige Regenerationsmaßnahmen nachdenken, stellt die alte Herde fest:
Eigentlich sind wir noch gar nicht müde!
Also wird kurzerhand beschlossen, noch ein kleines Drei-gegen-zwei auf kleine Tore anzuhängen.
Schließlich wäre es geradezu fahrlässig, bei dieser körperlichen Verfassung bereits den Heimweg anzutreten.
Noch einmal wird gedribbelt, gepasst, geschossen und um jeden Ball gekämpft.
17:55 Uhr – Jetzt ist aber wirklich Schluss!
Nach einem weiteren intensiven Schlagabtausch wird der Spieltag schließlich endgültig abgepfiffen.
Die alte Elefantenherde verlässt das Gelände mit der beruhigenden Erkenntnis, dass Erfahrung, Spielintelligenz und eine gewisse altersbedingte Bewegungsökonomie auch im modernen Fußball noch immer entscheidende Erfolgsfaktoren sind.
Tobi
| Grün | Blau |
|---|---|
| Marküse | ganz |
| Pedro | schön |
| Tobi | (viele?) |
| Sören | junge |
| Martin | Kerle |

Hervorragender Bericht. Das Warten hat sich gelohnt.
Wow! Lieber Tobi🙌🏻
Leider war ich nicht dabei… dem Bericht nach einer dieser legendären Tage! Top geschrieben – höchst amüsant! 🙂